Was bringen Rätsel, Sudoku und Co?

Geistig fit mit Gehirnjogging

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Der Nutzwert von Gehirnjogging ist umstritten. Doch Spaß macht es in jedem Fall.

Geistig fit bis in hohe Alter – wer wünscht sich das nicht? Gehirnjogging soll dies ermöglichen, etwa durch Sudoku, Kreuzworträtsel oder spezielle PC-Programme. Helfen diese Maßnahmen wirklich? Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer, klärt auf.

Dr. Marschall, was soll „Gehirnjogging“ bewirken?

Die Zahl der intakten Gehirnzellen nimmt mit zunehmenden Alter ab. Das Gehirn kann diesen Verlust jedoch teilweise kompensieren, da es die Fähigkeit hat, neue Verknüpfungen zwischen den verbleibenden Zellen aufzubauen. Das ist die Hoffnung, auf der Gehirnjogging beruht: Mit speziellen Übungen neue Verbindungen zwischen den Zellen zu schaffen, um geistig fit zu bleiben.

Was weiß die Wissenschaft über den Nutzen von solchen Übungen?

Es gibt verschiedene Studien, die sich mit dem Effekt von Gehirnjogging befasst haben. Ob Gehirnjogging möglicherweise auch einer Demenz vorbeugen kann, ist stark umstritten. Fest steht jedoch, dass es positive Effekte gibt. Wer mit Übungen trainieren möchte, sollte dabei auf eine gewisse Vielfalt achten, ansonsten wird, je nach gewählter Übung, immer nur eine einzelne Fähigkeit trainiert. Wer beispielsweise häufig das Lösen von Sudokus trainiert, wird darin tatsächlich besser und schneller, allerdings werden andere Hirnfunktionen nicht gefördert.

Was raten Sie Menschen, die ihre geistige Gesundheit trainieren wollen?

Wer geistig fit bleiben will, kann sein Gehirn durchaus mit Übungen trainieren. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, geistig fit zu bleiben, beispielsweise indem man sein „Training“ in den Alltag integriert. Grundsätzlich sinnvoll ist das Abweichen von täglichen Routinen. Auf dem Weg zum Supermarkt kann man beispielsweise mal eine andere Strecke wählen und ohne Einkaufszettel einkaufen. Mal eine andere Tageszeitung lesen. Mit dem Kopf rechnen anstelle den Taschenrechner zu nutzen, eine Fremdsprache lernen und im Idealfall auch anwenden. Musizieren oder Tanzen.

Insgesamt rate ich, körperlich und geistig aktiv zu bleiben, Neues auszuprobieren und auch soziale Kontakte zu pflegen, denn diese sind für unser Gehirn besonders anregend. Das alles ist natürlich kein Garant für lebenslange geistige Fitness, aber eine gute Voraussetzung dafür.

Welche Rolle spielt körperliche Aktivität für geistige Fitness?

Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Studien liefern Hinweise darauf, dass beispielsweise regelmäßiges Laufbandtraining hilft, die Hirndurchblutung und das visuelle Gedächtnis zu verbessern. Das gilt allerdings nur für Teilnehmern unter 70 Jahren, ältere Menschen scheinen davon nicht mehr zu profitieren.

Autor*innen

Barmer/Sandra Göbel | zuletzt geändert am um 11:22 Uhr