Therapie durch hormonelle Verhütung

Polyzystisches Ovarsyndrom

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Die Hormone von hormonellen Verhütungsmitteln durchbrechen die fehlerhaften Regelkreise des Polyzystische Ovarsyndroms.

Bei dem polyzystischen Ovarsyndrom handelt es sich um eine Störung des weiblichen Hormonhaushalts. Weltweit sind ca. 5-8 Prozent Frauen im fortpflanzungsfähigem Alter betroffenen. Viele von ihnen leiden unter einem überwiegend männlichen Erscheinungsbild.

Die Symptome des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) sind vielfältig und können von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Störungen im Zyklus oder das völlige Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhö), Zysten an den Eierstöcken sowie ein Zuviel an männlichen Hormonen gehören zu den wichtigsten Merkmalen der Hormonerkrankung. Der Überschuss an männlichen Hormonen führt bei Betroffenen häufig zu einer männlichen Haarverteilung – Frauen leiden beispielsweise unter einer Behaarung der Oberlippe, am Kinn oder Gesichtsrand. Außerdem weisen viele Patientinnen Übergewicht auf. „Frauen, die diese Symptome an sich beobachten, sollten sich in der Frauenarztpraxis untersuchen lassen“, betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Gewicht verlieren als Therapiebaustein

In erster Linie ist es für Patienten mit Übergewicht sehr wichtig, an Gewicht zu verlieren, betont Prof. Dr. Rudolf Seufert, Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums am Universitätsklinikum Mainz. Nur so kann die für die Krankheit typische Insulinresistenz durchbrochen werden, die zum Überschuss an männlichen Hormonen beiträgt.

Hormonelle Verhütung ist zugleich Therapie

Zusätzlich soll eine hormonelle Therapie in die gestörten Hormonprozesse des Körpers eingreifen. „Dafür ist eine Behandlung mit hormonellen Verhütungsmitteln mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination das Mittel der Wahl. Dabei werden vorzugsweise Gestagene verwendet, die eine antiandrogene Wirkung besitzen, also die Wirkung der männlichen Hormone aufheben“, erläutert Dr. Nicole Sänger, Leiterin des Zentrums für Hormonerkrankungen und Fortpflanzungsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt. „Diese Maßnahme wirkt sich schon innerhalb weniger Wochen nicht nur positiv auf die oft erheblichen kosmetischen Probleme aus. Die Frauen bekommen durch die Verhütungsmittel – oft erstmals in ihrem Leben – normale monatliche Blutungen und die Zuversicht, dass es möglich ist, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen und ein ganz normales Leben zu führen“, berichtet Dr. Sänger, Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF).

Autor*innen

Julia Schmidt/Berufsverband der Frauenärzte e.V. | zuletzt geändert am um 12:34 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.