Burnout – immer wieder hört und liest man davon. Doch was genau steckt hinter diesem Ausgebranntsein? Wie geht es den Betroffenen, wer ist besonders gefährdet und wie können Ärzte helfen? Markus Hüsson, stellvertretender Chefarzt der Vitos-Klinik für Stimm- und Spracherkrankungen in Weilmünster, klärt auf.
Was genau versteht man unter einem Burnout?
Ein Burnout ist eine starke körperliche und emotionale Erschöpfung, die mit Antriebslosigkeit, Gefühlen des Versagens und Depression einhergeht. Es kann sich sogar in körperlichen Problemen wie Rückenschmerzen oder dem Verlust der Stimme äußern. Betroffene leiden unter dem täglichen Leistungs- und Termindruck. Sie fühlen sich permanent gestresst und finden auch in ihrer Freizeit oder im Urlaub keine Entspannung.
Was glauben Sie, warum nimmt die Zahl der Erkrankten heute so stark zu?
Ich denke, dass der Burnout und die Zunahme dieser Erkrankung auf unsere moderne Industrie- und Leistungsgesellschaft zurückzuführen ist. Für den Einzelnen wird die Messlatte immer höher gesteckt. Nicht alle Menschen können diesem Druck standhalten. Ein Burnout trifft daher häufig Menschen, die nicht „Nein“ sagen können und sich schwertun anderen einen Wunsch abzuschlagen.
Auch Menschen mit sehr großem Ehrgeiz sind gefährdet, wenn sie sich immer wieder aufs Neue beweisen müssen, um so ihr Selbstwertgefühl aufzubauen. Bei Erkrankten muss es sich daher nicht zwingend um Berufstätige handeln. Hausfrauen, die unter mangelnder Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit leiden, können ebenso ein Burnout erleiden.
Wie entwickelt sich ein Burnout typischerweise?
Meistens entwickelt sich ein Burnout schleichend und kommt erst nach Jahren zum Ausbruch. Dann aber können sich von heute auf morgen komplexe psychische und körperliche Symptome zeigen.
Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass Betroffene häufig mit dem Verlust der Stimme zu kämpfen haben. Das ist für Menschen, die beruflich viel sprechen müssen und auf ihre Stimme angewiesen sind, ein schwerwiegendes Problem. Sie fürchten schließlich auch die Berufsunfähigkeit. Versetzen Sie sich nur einmal in die Lage eines Lehrers oder einer Telefonistin.
Auf welche Warnsignale des Körpers muss man achten?
Körperliche Symptome in Kombination mit Erschöpfungszuständen, Lustlosigkeit und Angstzuständen sollte man immer ernst nehmen, besonders, wenn man permanent unter Leistungsdruck steht. Beim Stimmverlust sind die ersten Anzeichen meist Heiserkeit, Räusperzwang und Halsschmerzen.
Wie behandeln Ärzte ein Burnout-Syndrom?
Zunächst geht es darum, dass der Patient „Einsicht“ in seine Lebensweise und die Ursachen seiner Erkrankung gewinnt. Das heißt, der Betroffene muss sich aktiv am Genesungsprozess beteiligen. Er muss ein Gespür für die eigenen Belastungsgrenzen bekommen. So können zum Beispiel mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie eingeübte Verhaltensmuster und falsche Vorstellungen korrigiert werden. Autogenes Training, Bewegungs- und Musiktherapie wirken ebenfalls unterstützend.
Wenn Patienten mit ihrer Stimmstörung zu uns in die Klinik kommen, betrachten wir das Thema Stimme nicht separat und sehen den stimmerkrankten Menschen mit all seinen Facetten. Die ganzheitliche Behandlung durch Ärzte, Logopäden, Psycho- und Bewegungstherapeuten stimmen wir individuell auf die Vorgeschichte ab. Außerdem regen wir die Patienten während ihres Klinik-Aufenthalts dazu an ihren Alltag zu entschleunigen.
Wer ist besonders gefährdet und wie kann man einem Burnout vorbeugen?
Burnout wird häufig als Manager-Krankheit bezeichnet, betrifft aber besonders Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind. Dazu gehören Krankenschwestern und Altenpfleger, aber auch Lehrer und Seelsorger.
Vorbeugen kann man durch Stressbewältigungsstrategien wie eine gute Organisationsfähigkeit, ein gutes Zeitmanagement oder die Fähigkeit delegieren zu können. Außerdem hilft es, manchmal einfach „loszulassen“ und abzuschalten. Die gute Nachricht dabei: Das alles ist erlernbar.