Nicht-medikamentöse Schmerztherapie

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Den Schmerz durch die Kraft der Gedanken lindern - das ist die Idee des Biofeedbacks.

Während bei akuten Schmerzen eine medikamentöse Behandlung meist ausreicht, werden bei der Therapie von chronischen Schmerzen oft zusätzliche Methoden, z. B. psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, verschiedene Entspannungsverfahren und physikalische Therapien eingesetzt. Denn der von chronischen Schmerzen Betroffene muss Strategien finden, mit denen er seinen Alltag leichter bewältigen kann und durch die das Leben lebenswert bleibt. Bei der Suche nach passenden Strategien helfen Therapeut*innen unterschiedlichster Fachrichtungen (z. B. Psychotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Ärzt*innen) im Rahmen eines ambulanten oder stationären multimodalen Schmerzbewältigungsprogramms. Im Rahmen dieses Programms berichten die Teilnehmenden über ihre Beschwerden und Erfahrungen. Dies führt bei vielen Betroffenen nicht nur zu neuen Einsichten, sondern auch zum Mut, neue Schmerzbewältigungstechniken zu versuchen. Diese Techniken müssen allerdings geduldig erlernt und dann regelmäßig ausgeführt werden – erst dann kann ihre Wirksamkeit beurteilt werden. Im Folgenden werden die am häufigsten angewendeten alternativen Behandlungsverfahren kurz vorgestellt.

Kognitive Verhaltenstherapie. Zusammen mit Psycholog*innen wird in einer kognitiven Verhaltenstherapie, also in Einzel- und/oder Gruppengesprächen, bei Rollenspielen und Situationsanalysen der Umgang mit dem Schmerz untersucht. Was habe ich früher gern getan und seit der Krankheit nicht mehr? Sind bestimmte Aktivitäten wirklich nicht mehr möglich? Wie wirkt sich meine Krankheit auf mein Umfeld aus? Welche Maßnahmen habe ich bisher selbst bei einer Schmerzverstärkung ergriffen?

Den Teilnehmenden wird erklärt, wie Schmerz entsteht und welche Auswirkungen er haben kann. Betroffene lernen, dass sie ihren Schmerzen nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern ihr Schmerzerleben beeinflussen können.

Röntgenschmerzbestrahlung

Die Röntgenschmerzbestrahlung (Röntgentiefentherapie) ist eine alte Methode zur Dämpfung entzündlicher Prozesse z. B. in Gelenken. Ihre Wirksamkeit zur Behandlung vieler schmerzhafter Entzündungen ist wissenschaftlich erwiesen, so z. B. von Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen der Schulter, Tennisellenbogen, Rhizarthrose oder chronischen Sehnenscheidenentzündungen. Daher werden die Kosten auch von den Krankenkassen übernommen. Weil viele Patient*innen Vorbehalte gegen Röntgenstrahlen haben und weil die erforderlichen Geräte nicht in allen Krankenhäusern und Kliniken zur Verfügung stehen, wird diese Methode nach Ansicht von Expert*innen zu selten eingesetzt.

Biofeedback

Beim Biofeedback werden Muskelspannung oder Schweißproduktion der Haut von aufgeklebten Sonden gemessen, die Intensität wird grafisch auf einem Bildschirm dargestellt. Die Patient*in erhält somit Informationen über oftmals unbewusste Vorgänge in ihrem Körper und lernt, diese bewusst zu beeinflussen. Ziel ist es, eine Entspannung auch ohne Hilfe von Sonden oder Bildschirm überall und selbstständig zu erreichen. Das in der Schmerztherapie am häufigsten angewendete Verfahren ist das EMG-Feedback, bei dem die Muskelspannung (Muskeltonus) rückgemeldet wird. Der Patient*in wird eindrucksvoll vermittelt, wie sie allein durch ihre Vorstellungskraft Entspannung bewirken und schmerzhafte Körperprozesse beeinflussen kann. Für Migränepatient*innen wurde darüber hinaus das Vasokonstriktionstraining entwickelt. Hier lernen die Betroffenen, Veränderungen im zentralen Nervensystem frühzeitig zu bemerken und durch geeignete Maßnahmen, z. B. Entspannungstechniken, zu unterbrechen.

Akupunktur

Die Schmerztherapie gehört in den westlichen Ländern zu den „klassischen“ Einsatzgebieten der Akupunktur. In einigen Fällen, z. B. bei Migräne oder Kniearthrose, ist ihr therapeutischer Nutzen wissenschaftlich belegt, aktuelle Studien zeigen auch für die Behandlung von (chronischen) Rücken- und Spannungskopfschmerzen gute Ergebnisse. Es gibt auch wissenschaftliche Beweise, dass die Akupunktur auf die Schmerz verarbeitenden Areale im Gehirn wirkt, indem sie ihre Aktivität vorübergehend blockiert. Positive Erfahrungsberichte liegen auch für die Therapie von Fibromyalgie und in eingeschränktem Maß auch von Nervenschmerzen (Neuralgien) vor.

Im Allgemeinen werden bei akuten Beschwerden etwa 10 Sitzungen in kurzen Zeitabständen (ein- bis dreimal wöchentlich) durchgeführt; bei chronischen Schmerzzuständen können es bis zu 20 Behandlungen meist in wöchentlichen Abständen sein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass spätestens nach fünf Sitzungen – auch bei chronischen Schmerzen – eine spürbare Wirkung einsetzen sollte. Ist dies nicht der Fall, sollte die Akupunktur abgebrochen werden. Denn auch das ist das Ergebnis vieler Studien: Akupunktur wirkt nicht bei jedem. Warum, ist letztlich nicht bekannt.

  • Deutsche Schmerzgesellschaft - Website der Deutschen Schmerzgesellschaft, die neben Informationen unf Fortbildungen für Ärzt*innen Informationen und einen Podcast zu schmerzmedizinischen Themen für Patient*innen bietet
  • www.schmerzliga.de – Internetseite der Deutschen Schmerzliga e. V., Oberursel: Selbsthilfeverband für Menschen mit chronischen Schmerzen. Informiert überwiegend neutral über den Stand der Schmerztherapie und spezialisierte Einrichtungen, bietet eine telefonische Schmerzberatung sowie ein Schmerztagebuch zum Herunterladen.
  • B. Glier: Chronische Schmerzen bewältigen. Verhaltenstherapeutische Schmerzbehandlung. Klett-Cotta, 2010. Ratgeber mit konkreten Anweisungen zu allen verschiedenen Methoden – und ein komplettes Konzept zur Schmerzbewältigung
  • D. Butler; G. L. Moseley: Schmerzen verstehen. Springer, 2016. Beschreibt eindrucksvoll und mit vielen Bildern, wie Schmerzen zustande kommen.

Autor*innen

Dr. med. Dorit Maoz, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am um 16:40 Uhr