Paracetamol

Schmerzstillender und fiebersenkender Wirkstoff aus der Gruppe der Nicht-Opioidanalgetika. Paracetamol wird eingesetzt bei Fieber und leichten bis mittelstarken Schmerzen, beispielsweise Kopf‑, Regel-, und Zahnschmerzen. Neue Studien zeigen, dass Paracetamol bei Knie- und Rückenschmerzen wenig wirksam ist – in diesen Fällen helfen andere Schmerzmittel wie Ibuprofen besser. Insbesondere für Säuglinge, Kinder und Schwangere ist Paracetamol einer der verträglichsten Wirkstoffe bei Schmerzen und Fieber.

Anwendung

Paracetamol ist verfügbar als

  • Tablette (250 mg, 500 mg und 1000 mg)
  • Brausetablette (500 mg und 1000 mg)
  • Granulat und Pulver
  • Zäpfchen (75 mg, 125 mg, 250 mg, 500 mg und 1000 mg)
  • Saft.

Die meisten größeren Kinder und Erwachsenen nehmen Paracetamol als Tablette ein. Die Tabletten schlucken Sie mit etwas Wasser herunter. Brausetabletten, Granulat und Pulver lösen Sie in Wasser auf. Paracetamol ist in Kleinpackungen (20 Tabletten à 500 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Ab einer Menge von 10 g pro Packung ist Paracetamol verschreibungspflichtig. Die Tageshöchstdosis von 4000 mg für lebergesunde Erwachsene ist unbedingt einzuhalten, bei medizinischen Risiken beträgt sie auch nur 2000 mg oder 3000 mg (Näheres siehe unten). Zäpfchen sind die beste Wahl für Säuglinge sowie für Erwachsene mit Schluckproblemen oder fehlender Kooperation, z. B. bei Demenz. Der Saft ist für Klein- und jüngere Schulkinder die einzige Alternative zum Zäpfchen, denn die Paracetamol-Tabletten schmecken sehr bitter. Der Saft wird pur getrunken oder gemischt mit Joghurt oder Fruchtsaft.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Anwendung von Paracetamol birgt vor allem ein Risiko, und das ist die Schädigung der Leber. Leberschäden drohen

  • bei Überdosierung. Gefährdet sind Menschen mit mentaler Beeinträchtigung (Demenz, geistige Behinderung) oder mit Suizidneigung – diese dürfen auf keinen Fall Paracetamol erhalten.
  • bei vorgeschädigter Leber. Haben Sie erhöhte Leberwerte wie gamma-GT, dann verzichten Sie besser auf Paracetamol. Ist das unmöglich, dann beschränkt Ihre Ärzt*in die Tagesdosis auf 2000 mg. Gleiches gilt, wenn Ihre Nieren nicht mehr richtig (Niereninsuffizienz) arbeiten.
  • bei gleichzeitiger Einnahme potenziell leberschädigender Medikamente wie Antiepileptika. Dann nehmen Sie Paracetamol nur nach ärztlicher Rücksprache ein.
  • bei Überschreiten der Tageshöchstdosis: Diese beträgt bei Lebergesunden mit normalem Körpergewicht wie erwähnt 4000 mg, also 4 Einnahmen von je 1000 mg täglich. Zumindest bei niedrigem Körpergewicht und eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion raten viele Ärzte aber, höchstens 3000 mg Paracetamol pro Tag einzunehmen. Es ist gefährlich, mehrere Einzeldosen gleichzeitig zu schlucken – zwischen jeder Einzeldosis sollen mindestens 6 Stunden liegen. Bei starken akuten Schmerzen ist nach ärztlicher Rücksprache eventuell die Einnahme eines zweiten, anders wirkenden Schmerzmittels wie Ibuprofen möglich. Allerdings erhöht sich dabei das Risiko von Nebenwirkungen durch Ibuprofen wie Magen-Darm-Geschwüre und Magen-Darm-Blutungen. Für Kinder beträgt die Tageshöchstdosis 50 mg pro kg Körpergewicht, das sind bei einem 20 kg schweren Grundschulkind 1000 mg, also 4 × 1 Tablette à 250 mg pro Tag. Bei einem 5 kg schweren Säugling sind es 250 mg, also pro Tag 2 Zäpfchen à 125 mg.

Achten Sie auf die richtige Dosierung und nehmen Sie Paracetamol so kurz wie möglich ein. So verringern Sie das Risiko für Nebenwirkungen. Es gilt:

  • Zeichen einer Leberschädigung sind Appetitlosigkeit, Durchfall, Gelbfärbung von Haut und Augen, Dunkelfärbung des Urins und ungewollter Gewichtsverlust. Tritt eines dieser Zeichen auf, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärzt*in.
  • Nehmen Sie Paracetamol ohne Absprache mit Ihrer Ärzt*in maximal drei Tage ein.
  • Nehmen Sie niemals die komplette Tagesdosis auf einmal ein.
  • Nehmen Sie zusätzlich keine Kombipräparate ein, die ebenfalls Paracetamol enthalten. Dies ist zum Beispiel bei einigen „Grippemitteln“ der Fall.
  • Bei häufiger Einnahme von Paracetamol drohen Dauerkopfschmerzen, vor allem wenn Sie mehr als zehn Tage pro Monat Paracetamol schlucken.
  • Langfristig schädigt Paracetamol auch die Nieren und das Herz.

Wechselwirkungen

Nehmen Sie neben Paracetamol noch andere Medikamente ein, dann entstehen Wechselwirkungen. Antiepileptika dagegen steigern die Empfindlichkeit der Leber. Paracetamol wirkt dann leichter giftig. Sprechen Sie daher mit Ihrer Ärzt*in, bevor Sie Paracetamol und andere Medikamente kombinieren.

Autor*innen

Dr. med. Miriam Hagemeyer | zuletzt geändert am um 15:42 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.