Ungewöhnliche Wahrnehmungen und Doppelbilder

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Hinter einer Sehstörungen stecken oft ernste Erkrankungen. Deshalb sollten sie immer ärztlich abgeklärt werden.

Ungewöhnliche Wahrnehmungen und Doppelbilder können die unterschiedlichsten Ursachen haben, angefangen bei einer harmlosen Übermüdung über einen ausgeprägten Alkoholkonsum bis hin zum Schlaganfall. Grundsätzlich gilt: Wenn die Ursache nicht bekannt ist, dann sollten betroffene möglichst rasch eine Augenärzt*in aufsuchen, um die akute Sehstörung abzuklären.

Eine möglicherweise ernste Sehstörung ist die Amaurosis fugax: Dabei handelt es sich um eine wenige Minuten anhaltende Erblindung, meist auf einem Auge. Ursache ist eine Durchblutungsstörung von Netzhautgefäßen oder von Hals- und Hirnarterien, die das Auge oder Sehzentrum im Gehirn mit Blut versorgen. Betroffen sind meist ältere Menschen mit Arteriosklerose und/oder Diabetes. Die Amaurosis fugax ist ein Warnsignal für einen möglicherweise drohenden Schlaganfall. Betroffene sollten sich deshalb möglichst schnell ärztlich untersuchen lassen. Es muss aber nicht ein Schlaganfall folgen, eine Amaurosis fugax kann auch andere Ursachen haben. 

Typisch sind Sehstörungen auch bei Migräne. Diese äußern sich beispielsweise als wandernde Lichtblitze. Sind bestimmte Sehstörungen bei einer Migräne bekannt, ist deren Auftreten kein Grund zur Sorge. Ungefährlich sind auch Ablagerungen im Glaskörper. Diese äußern sich als schwimmende Punkte oder Fäden im Auge, die vor allem beim Blick auf weiße Flächen auffallen. 

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Sehen von grauen, schwimmenden Pünktchen und Fädchen (Mücken, Mouches volantes)

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Augenarztpraxis bei plötzlichem neuem Auftauchen zahlreicher Pünktchen (einzelne, kleine "Mücken" sind fast immer harmlos)

Sehen von dunklen Flecken oder "Rußregen"

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Augenarztpraxis oder Augenklinik

Sehen von Zackenlinien, Lichtblitzen und Funken(schauern)

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Augenarztpraxis bei Lichtblitzen und Funken ohne Kopfschmerzen, wenn das Phänomen nicht im Rahmen einer Migräne bekannt ist

Einseitig farbige Ringe um Lichtquellen; Schmerzen und Rötung am betroffenen Auge; verschwommenes Sehen; Übelkeit, Erbrechen

Ursache:

Maßnahme:

  • Sofort in die Augenarztpraxis oder Augenklinik

Gelb-, Blau-, Rotsehen

Ursachen:

  • Vergiftung mit Digitalis
  • Seltene Nebenwirkung anderer Medikamente, z. B. Sulfonamide, Diuretika
  • Rauschzustand oder Entzugserscheinung bei Alkoholabhängigkeit und Drogensucht

Maßnahmen:

  • Sofort in die Hausarztpraxis oder in die Klinik bei Farbsehen mit Übelkeit, Verwirrtheit oder Behandlung mit Digitalis
  • Ansonsten in den nächsten Tagen in die Hausarztpraxis

Nichterkennen bestimmter Farben

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Augenarztpraxis, wenn die Beschwerde neu auftritt

Verzerrtes, vergrößertes oder verkleinertes Sehen

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben oder nächsten Tag in die Augenarztpraxis, wenn keine Migräne oder Epilepsie bekannt ist

Ständige oder wechselnde Doppelbilder ohne Auffälligkeiten am Auge

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Hausarztpraxis, wenn keine Übermüdung dahinter steckt

Plötzliche Doppelbilder ohne Auffälligkeiten am Auge; meist starke bis unerträgliche Kopfschmerzen; meist zunehmende Bewusstseinstrübung; oft Lähmungen

Ursachen:

Maßnahme:

  • Notärzt*in rufen, wenn die Störung nicht nach wenigen Minuten abgeklungen ist
  • Wenn die Störung abklingt, sofort in die Klinik

Doppelbilder mit zunehmendem Hervortreten des Augapfels

Ursache:

  • Exophthalmus (krankhaftes Hervortreten des Augapfels)

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Hausarztpraxis

Ihre Apotheke empfiehlt

Da als Ursache auch ernste Erkrankungen in Betracht kommen, sollten neu auftretende, unbekannte Sehstörungen und Doppelbilder grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. Je nach Beschwerden sollten Betroffene umgehend in eine Klinik. Wenn unklar ist, was zu ist, hilft der ärztliche Notdienst unter der Nummer: 116 117.

Autor*innen

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel | zuletzt geändert am um 10:55 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.