Jucken und Schmerzen im Genitalbereich

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Atmungsaktive Kleidung lässt Schweiß schnell abtrocknen.

Egal ob bei Mann oder Frau – die Haut und Schleimhaut im Genitalbereich sind sehr empfindlich. Die Haut reagiert auf Reizung schnell mit Rötung, Jucken, kleinen Wunden oder Schwellung, etwa durch zu eng anliegende Kleidung, allergieauslösende Stoffe oder ständige Feuchtigkeit durch Schweiß oder bei unwillkürlichem Urinabgang. Therapeutisch genügt es dann oft, die äußeren Faktoren zu verändern, also beispielsweise den Genitalbereich trocken und sauber zu halten und atmungsaktive, weite Kleidungsstücke zu tragen. Stecken andere Ursachen hinter den Beschwerden, gehen diese oft mit charakteristischen Hautveränderungen einher, etwa bei Feigwarzen.

Auch bei Jucken und Schmerzen an den Schleimhäuten kommen "einfache" äußere Faktoren wie eine übertriebene Intimhygiene oder eine Kontaktallergie (z. B. auf Kondome) infrage. Häufig stecken hinter den Beschwerden aber auch andere Ursachen wie Infektionen, etwa mit einer Geschlechtskrankheit wie der Trichomonadeninfektion oder mit einem Pilz. Dann kommt zum Jucken und Brennen oft noch (übelriechender) Ausfluss hinzu.

Manchmal sind die eigentlichen Auslöser für die Beschwerden aber auch innere Faktoren, etwa wenn die Hormonumstellung während der Wechseljahre die Schleimhäute austrocknet und sie so anfällig für Juckreiz macht. Ebenso lösen Diabetes, Leber- und Nierenkrankheiten oft Juckreiz aus – der dann aber in der Regel auch an anderen Körperstellen auftritt.

In jedem Fall gilt aber: Jucken und Brennen können immer eine Ursache haben, die ansteckend ist – sei es eine Infektionskrankheit oder Parasiten wie Filzläuse. Solange der Auslöser für die Beschwerden nicht klar ist, sollte man deswegen auf Geschlechtsverkehr verzichten oder zumindest ein Kondom verwenden.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Jucken und/oder Brennen im äußeren Genitalbereich; oft verstärkt beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen; manchmal Rötung und/oder Schwellung des äußeren Genitalbereichs; evtl. kleine Wunden und Geschwüre

Ursache:

Entzündung von Haut und Schleimhaut, z. B. durch

Maßnahmen:

  • In den nächsten Wochen zur Frauenärzt*in, wenn Juckreiz oder Schmerzen trotz Gegenmaßnahmen anhalten
  • Bei möglicher Ansteckung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr sofort zur Frauenärzt*in

Selbsthilfe:

  • Genitalbereich mit milchsäurehaltigen Waschlotionen reinigen
  • Auf eine übertriebene Intimhygiene, Intimsprays, Scheidenspülungen und parfümierte Binden verzichten
  • Luftdurchlässige, kochfeste Unterwäsche tragen
  • Sitzbäder mit Kamille (z. B. Kamillosan®)

Juckreiz und Brennen der Scheide mit weißem, cremigen bis bröckeligen Ausfluss; evtl. Rötung des äußeren Genitalbereichs; evtl. Schmerzen beim Wasserlassen

Ursache:

Pilzinfektion der Scheide (Soorkolpitis), begünstigt z. B. durch

Maßnahme:

  • Am nächsten Tag in die Frauenarztpraxis

Selbsthilfe:

  • Genitalbereich mit milchsäurehaltigen Waschlotionen reinigen
  • Luftdurchlässige, kochfeste Unterwäsche tragen
  • Vaginalpräparate (z. B. Eubiolac Verla®, Vagiflor®)

Juckreiz und Schmerzen der Scheide beim Geschlechtsverkehr mit gelb-grünlichem oder grauem, oft übelriechendem Ausfluss

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am nächsten Tag in die Frauenarztpraxis

Warnhinweise:

  • Kein Sex bis zur Diagnosestellung
  • Zur Vermeidung erneuter Ansteckung Kondome benutzen

Jucken und Brennen mit kleinsten Bläschen und Geschwüren im Genitalbereich; Abgeschlagenheit, evtl. Fieber

Ursache:

Maßnahme:

  • Am nächsten Tag zur Frauenärzt*in oder zur Urolog*in

Warnhinweise:

  • Kein Sex bis zur Diagnosestellung
  • Zur Vermeidung erneuter Ansteckung Kondome benutzen

Juckreiz im Genitalbereich bei inneren Erkrankungen; oft auch Juckreiz an anderen Körperstellen

Ursache:

Häufige Beschwerde, z. B. bei

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen in die Hausarzt- oder betreuende Facharztpraxis

Selbsthilfe:


Juckende blau-rote Knötchen im behaarten Genitalbereich

Ursache:

  • Befall mit Filzläusen

Maßnahme:

  • Am nächsten Tag in die Hausarztpraxis

Brennende und bohrende Schmerzen oberhalb des Schambeins und im Genitalbereich, verstärkt beim Wasserlassen; vermehrter Harndrang

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Am selben Tag in die Hausarztpraxis bei Fieber oder Flankenschmerzen
  • Sonst am nächsten Tag

Selbsthilfe bei akuter Blasenentzündung:

  • Täglich 3–4 Liter Flüssigkeit trinken
  • Täglich 3–4 Tassen Blasentee
  • Wärmflasche, Heublumensäckchen, Kirschkernsäckchen auf den Unterbauch oder als Sitzunterlage
  • Voll- oder Sitzbad mit Kamille

Juckreiz, Spannungs- oder Wundgefühl, verbunden mit Hautveränderungen wie Wucherungen, Warzen, Geschwüren, Verhärtungen oder rote, weiße oder blauschwarze Verfärbungen

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Frauen- oder Hautarzt

Warnhinweis:


Phasenweise auftretender, quälender Juckreiz; Schrumpfung der Schleimhaut im Genitalbereich; evtl. brennende Schmerzen, v. a. beim Geschlechtsverkehr

Ursache:

Maßnahmen:

  • In den nächsten Wochen zur Frauen- oder Hautärzt*in
  • Bis dahin: Schleimhaut mit Fettsalbe pflegen

Ihre Apotheke empfiehlt

Atmungsaktive Kleidung.

Länger anhaltende Feuchtigkeit ist nie gut für die Haut. Insbesondere gilt das für empfindliche Hautstellen wie im Genitalbereich. Deswegen sollte man dafür sorgen, dass Schweiß schnell abtrocknet – etwa durch das Tragen atmungsaktiver Stoffe. Unterwäsche sollte zudem nicht zu eng anliegen, weil die dann entstehende Reibung die feine Haut zusätzlich stresst. Für Männer kann das zum Beispiel heißen, dass sie statt engen Slips aus synthetischen Stoffen besser Boxer-Shorts aus Baumwolle tragen. Nachts auf Unterwäsche zu verzichten kann auch dabei helfen, dass sich gereizte Haut im Genitalbereich gut regeneriert.

Intimhygiene mit Augenmaß.

Nicht Zuviel und nicht Zuwenig: Bei der Intimhygiene kommt es auf die richtige Dosis an. In der Regel genügt eine tägliche Reinigung mit warmem Wasser – und zwar ausschließlich der äußeren Anteile der Genitalien, also zum Beispiel der Schamlippen. In keinem Fall sollte man den inneren Teil der Vagina spülen! Die gesunde Schleimhaut der Vagina befindet sich in einem empfindlichen Gleichgewicht und reinigt sich selbst. Männer sollten darauf achten, beim Waschen die Vorhaut zurückzuziehen. Unter der Vorhaut sammeln sich sonst Sekrete (Smegma) und Bakterien an.

Safer Sex.

Geschlechtskrankheiten sind viel häufiger als man meinen könnte. So sind zum Beispiel 40 bis 60 Prozent der 20- bis 40-Jährigen mit Herpes genitalis infiziert. Gerade bei wechselnden Geschlechtspartner*innen ist die Verwendung von Kondomen also ein Muss. Noch mehr gilt das, wenn man vermutet oder sogar weiß, dass man an einer sexuell übertragbaren Krankheit leidet. Bis die Diagnose steht, verzichtet man bestenfalls völlig auf Sex. Denn in manchen Fällen – wie etwa beim Herpes – lässt sich das Ansteckungsrisiko durch Kondome zwar verringern, aber nicht völlig eliminieren.

Sitzbad mit Kamille.

Warme Sitzbäder sind nicht nur wohltuend, sondern beschleunigen mit dem richtigen Zusatz auch die Heilung von kleinen Wunden und Entzündungen. So hat etwa die Kamille eine entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung. Länger als 20 Minuten sollte man aber nicht in der Wanne bleiben, weil sonst die Haut zu sehr austrocknet. Bei der ersten Anwendung sollte man zudem erst einmal ausprobieren, ob man auf die Kamille allergisch reagiert.

Bakterien ausspülen.

Gerade Frauen neigen wegen ihrer kurzen Harnröhre zu Blasenentzündungen. Das liegt daran, dass die auslösenden Bakterien nur eine kurze Wegstrecke vom äußeren Genitalbereich bis in die Blase überwinden müssen. Wer erste Anzeichen einer Blasenentzündung bemerkt, kann versuchen, die Bakterien über eine gesteigerte Trink- und somit auch Urinmenge auszuspülen. Auch nach dem Sex sollten Frauen am besten gleich auf die Toilette, um ihre Harnröhre zu "spülen". So gelangen durch den Sex in die Harnröhre verschleppte Bakterien erst gar nicht bis in die Blase.

Lokale Hormonersatztherapie

. Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren sorgt dafür, dass die Schleimhäute trockener werden – unter anderem in der Vagina. Betroffene Frauen leiden dann häufig unter Juckreiz oder Brennen. Weil das Schleimhaut-Milieu der Vagina aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es zudem häufiger zu Infektionen. Abhilfe schaffen können lokal aufgetragene Hormone, etwa in Form von östrogenhaltigen Vaginalcremes oder Gelen. Durch die lokale Anwendung versucht man, die Hormonkonzentration möglichst gering zu halten. Das ist von Vorteil, weil die hormonelle Ersatztherapie auch gesundheitliche Risiken mit sich bringt, etwa ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Wichtig zu wissen: Auch bei der lokalen Therapie nimmt der Körper die Hormone auf. Lassen Sie sich also am besten ausführlich ärztlich beraten, bevor sie sich für eine solche Behandlung entscheiden.

Autor*innen

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Sara Steer | zuletzt geändert am um 16:23 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.