ADS und ADHS bei Erwachsenen

Westend61/imago-images.de
Auch im Erwachsenenalter haben Betroffene oft Probleme, sich zu konzentrieren.

Andere Wirkstoffe dieser Gruppe

Furcht lässt Spinnen wachsen Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) Aufmerksamkeitsstörung bei Kindern Tetris gegen Traumata Stimmungstief in der Winterzeit Manie und bipolare Störung Wie Vorgesetzte krank machen Stimmen hören bei Psychosen Sport gegen Depression Glücksspiel im Kinderzimmer Vogelgesang stärkt die Psyche Bundesteilhabegesetz beschlossen Die medizinischen Fachgebiete und Berufe im Bereich seelischer Erkrankungen Wenn die Panik kommt Hilfe bei Crystal-Sucht Spontane Menschen sind sozialer Arbeit nach psychischer Erkrankung Angststörungen bei Kindern Medikamentensucht im Alter Therapie mit Antidepressiva Schizophrenie Generalisierte Angststörung Kurz-Therapie gegen Spritzenphobie Der Weg zur Diagnose in der Psychiatrie Konzentrationsmangel & Vergesslichkeit Stress-Faktor Kind Großstadt fördert psychische Leiden Vogelgesang stärkt die Psyche Berufsstress im Urlaub Augenblick bewusst erleben Traumatische Erlebnisse Posttraumatische Belastungsstörung Albträume bei Kindern Hat der Kollege ein Alkoholproblem? Schlafentzug bei Depressionen Tipps gegen Winterblues Pandemie fördert Magersucht Modedroge Crystal Meth Leistungsdruck am Arbeitsplatz Stress in der Schwangerschaft Depressionen im Alter Faltenkiller gegen Depressionen Dauerstress gefährdet Gesundheit Alkohol macht Gehirn unflexibel Hyperventilationssyndrom Schutz vor Stress und Burn Out Magersucht Botox gegen Borderline Mit Mobbing richtig umgehen Autismus beim Baby erkennen Hirn schrumpft mit Medizin-Nobelpreis 2014 Zwangsstörungen Einweisung und Aufenthalt in psychiatrische Kliniken Wenn Eltern psychisch krank sind Homeoffice senkt Stresslevel Bei Dauerstress droht Burnout Essen bestimmt die Laune Webportal für Krebskranke Das Internet als Droge Organische Psychose (chronisch) Ursachen von Schulverweigerung Depressionen bei COPD-Patienten Was sind Essstörungen? Hypnose in der Psychotherapie Angsterkrankungen (Überblick) Depressionen ernst nehmen Depressive Verstimmung Spielsucht bei Jugendlichen Magenbeschwerden bei Stress Psychotherapie bei Reizdarmsyndrom Künstlerische Verfahren Pflegende von Demenz-Erkrankten Singen kann COPD-Patienten helfen Therapie am Computer Kurz-Therapie gegen Spritzenphobie ADHS: Weniger Tabletten verordnet Somatoforme Störungen Cannabisabhängigkeit Krankhafter Sammeldrang Senioren grübeln weniger ADHS im Erwachsenenalter Elektrische Hirnstimulation Einnässen Krebs: Tanzen hilft beim Verarbeiten Alkoholabhängigkeit Hilfe bei Schulstress Gewalt gegen Männer Innovative Suchtprävention Herbstliches Stimmungstief Trauer nach einer Fehlgeburt Der Weg zur Diagnose in der Psychiatrie Krankschreibungen 2014 Burnout-Anzeichen wahrnehmen Depression bald objektiv messbar? Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Erkrankungen Wenn Pflegende seelisch leiden Wohlbefinden im Alter Mit Resilienz Krisen meistern Rauchstopp stärkt die Psyche Burnout-Verbreitung überschätzt Morgentief als Hinweis auf Depression Häufige Überstunden machen dumm Verhaltenstherapien Kaufsucht in den Griff bekommen Mobbing bei Kindern Die Angst vor der Angst Positives Selbstbild im Alter Wenn Kinder schlecht träumen Wenn die Seele leidet Nachwuchs hält gesund Stress am Wochenende Psychologische Beratung im Studium ADHS wirksam behandeln Der Drang zum Zwang Wirken Antidepressiva bald besser? Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Licht-Therapie bei Winterdepression Junge Erwachsene mit Krebs Psychotherapie bei Diabetes Machen Sportwetten süchtig? Wegen Alkohol in die Notaufnahme Östrogenspiegel verändert Frauenhirn Lithium Essstörung: Kein Hunger in Sicht Autismus beim Baby erkennen Pflegereform 2017 Binge Eating Schlafentzug täuscht die Sinne Was ist eigentlich Stress? Mittel gegen schlechte Erinnerung Borderline-Störung Eigenanalyse von Stressoren Cannabis als Medikament sicher Leistungsdruck an Unis steigt Spielsucht Essen für die Harmonie Zufrieden Altern heute & zukünftig Spinnen-Phobie mit App behandeln ADHS bei Erwachsenen Psychische Krisen meistern Schwer Depressive sind unterversorgt Essstörungen bei Jungen Stigmatisierung psychisch Kranker Gesprächstherapie nach Rogers Winterblues oder Depression? Psychische Betreuung bei Krebs Spinnenphobie spielend überwinden Depressionen bei Männern erkennen Depression Erfolgreich fasten Mit Belastungen richtig umgehen Online-Psychotherapie im Trend Winterdepression bei Kindern Mobbing in sozialen Medien Fertigprodukte machen depressiv Weihnachtliche Aromatherapie Antidepressiva bezwingen auch Ängste Depression im Alter Depressiv durch Parkinson Psychotherapie hilft auch im Alter Fehltage durch psychische Leiden Gewalt gegen Männer Diagnose Kaufsucht Familientherapie Organische Psychose (akut) Essstörungen zunehmend verbreitet Grundlagen der Psychotherapie Neuroleptika Männer werden depressiver Ab ins Grüne Abhängigkeit Stress schadet dem Rücken Burnout bei Diabetes Herzerkrankungen bei Depressionen Verzerrte Körperwahrnehmung Krankheitsangst raubt Lebensjahre Phobien Bindungshormon baut Angst ab Ambulante Behandlungseinrichtungen für psychisch Kranke Herbstmüdigkeit und Winterblues Hilfe bei Altersdepression Long-Covid mindert die Libido Depressionen gefährden das Herz Wenn Medikamente die Psyche stören Gesunde Zähne trotz Dentalphobie Situation nach Schlaganfall Gedächtnisprobleme im Alter Depressionen frühzeitig bekämpfen Cholesterinsenker gegen Depressionen? Empfindsam: Männliche Psyche Klassische Psychoanalyse nach Freud Was sind Tics? Asperger-Syndrom bei Erwachsenen Krankheitsangst raubt Lebensjahre Falsche Selbstwahrnehmung Immer mehr Jugendliche abhängig Behandlung schwerer Depressionen Erneutem Herzinfarkt vorbeugen Spinnen-Phobie mit App behandeln Befindlichkeitsstörung oder psychische Erkrankung? Gefühlsschwankungen bei Borderline Verwirrt nach der OP Beruhigungsmittel Mit Yoga Krankheiten heilen? Wenn das Horten zum Problem wird Psychopharmaka Antipsychotikaverbrauch steigt an Schlafmangel beeinflusst die Psyche Gut gelaunt in den Frühling Der Nachteil am guten Gedächtnis Stigmatisierung von Übergewichtigen Hilfe durch Selbsthilfe Psychische Leiden bei Behinderung Anhaltende Besorgtheit Psychotrope Substanzen Lavendelöl gegen Angststörungen Mehr Lebenszufriedenheit im Alter Achtung, Alkohol-Falle Angst vorm Zahnarzt bezwingen Hirnstimulation lindert Depressionen Karriere-Hemmnis Soziale Phobie Werbeverbot für Tabak Auf Suizid-Gefahr richtig reagieren Burnout Winterdepression Spinnen-Phobie mit App behandeln ADHS bei Erwachsenen Antidepressiva nicht absetzen! Panikattacken Krankheitsangst raubt Lebensjahre Sucht im Alter Schichtarbeit erhöht Diabetes-Risiko Tierische Therapeuten Psychodrama Selbstmord Wenn junge Seelen leiden Hirnstimulation lindert Depressionen Antidepressiva bezwingen auch Ängste Depression am Auge ablesen Initiative „Kinder stark machen“ Methylphenidat stört Wachstum nicht Bulimie Immer mehr Menschen mit Depression Borderline-Syndrom Stress ist ansteckend Unrealistische Vorbilder gefährden Depression erhöht Diabetesrisiko Schizophrenie verstehen Meditierend Depressionen lindern Hirnstimulation lindert Depressionen Aktionstag zur Glücksspielsucht Überlebenshilfe für Videokonferenzen ADHS wirksam behandeln Antidepressiva nicht absetzen! Rauchstopp: So klappt’s! Depressionen: Sport hilft Schlafprobleme durch Medikamente Essstörung: Typische Symptome Psychische Leiden bei Arbeitslosen ADHS im Erwachsenenalter Keine Angst vor Psychopharmaka Tageslicht gegen Winterdepression Sozialrechtliche Informationen für psychisch Kranke Krankheitsangst raubt Lebensjahre Was sind affektive Störungen? Buchtipp: Depression und Angst Gestalttherapie ADHS bei Erwachsenen Angst vor Klassenarbeiten ADHS wirksam behandeln Nikotinabhängigkeit Wie ADHS-Medikamente langfristig helfen Cannabis belastet die Psyche Psychosomatische Störungen Wenn Kinder traumatisiert sind Soziale Interaktion bei Kindern Dissoziative Störung Ess-Sucht bei Kindern Übungen zur Achtsamkeit Wenn Sport süchtig macht Ehe hebt die Stimmung Hypochondrie: Eingebildet krank Depressionen bei Männern erkennen Cannabis schädigt Lunge Mit Pumuckl gegen Coronastress Hilfe bei Essstörungen Pflanzliche Psychopharmaka Licht gegen Winterdepression Lücke bei Versandapotheken Homeoffice senkt Stresslevel Alzheimer: Erinnerungsanker hilft Anzeichen für Schulangst erkennen Macht Verdrängung wirklich krank? Abtreibung richtig verarbeiten Methylphenidat stört Wachstum nicht Buchtipp: Der Gefräßigmacher Antidepressiva Behandlung von Tinnitus Übergewicht und Essstörung Stress und Kummer fördern Demenz Alkohol fördert Darmkrebs Krisenintervention Diabetes und Depressionen Hilfe für Betroffene und Angehörige bei psychischen Erkrankungen Riskantes Essverhalten Antidepressiva nicht absetzen! Depression statt Vaterglück Burnout Musiktherapie bei Tinnitus Persönlichkeitsstörungen Hilfe bei Altersdepression Flüssigkeit zur Arzneieinnahme Methylphenidat stört Wachstum nicht

Häufigkeit: 1

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) im Erwachsenenalter: Bei etwa 2,5 % der Erwachsenen auftretende Störung des Verhaltens, in deren Mittelpunkt eine vermehrte Ablenkbarkeit steht. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Vorhaben strukturiert anzugehen. Oft halten sie Frustrationen nur schwer aus und reagieren dann sehr emotional (erhöhte Impulsivität). Die beim ADHS in der Kindheit stark ausgeprägte körperliche Hyperaktivität ist im Erwachsenenalter häufig abgemildert und zeigt sich eher in innerer Unruhe, Ungeduld und sprunghaftem Verhalten sowie schnellem und vielem Reden. Auch Suchtprobleme und Risikoverhalten treten bei Betroffenen vermehrt auf. Beschränken sich die Probleme auf die verstärkte Unaufmerksamkeit, spricht man manchmal auch vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) im Erwachsenenalter.

Meist wird die Störung aus der Kindheit "mitgenommen", manchmal wird aber auch ein im Kindesalter nicht erkanntes ADHS erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Als Behandlungsmöglichkeiten stehen die Psychoedukation zum besseren Umgang mit der Erkrankung, psychotherapeutische Verfahren und Medikamente zur Verfügung.

Unaufmerksamkeit

  • Probleme, sich länger zu konzentrieren, z. B. bei Konferenzen, beim Lesen oder Lernen
  • Probleme, sich zu organisieren und seine Zeit zu managen, insgesamt ineffizientes Arbeiten
  • Probleme, eine Aufgabe anzufangen, mangelnde Motivation, häufiges Aufschieben von Erledigungen
  • Häufiges Verlegen oder Verlieren von Dingen wie Handy oder Schlüssel
  • Schusseligkeit und Vergesslichkeit.

Impulsivität

  • Zu schnelles Autofahren
  • Geringe Frustrationsschwelle
  • Schnelle emotionale Reaktionen, Jähzorn, aggressives Verhalten
  • Bei Gesprächen oft unentwegtes Reden, Unterbrechen anderer, Abgeben überflüssiger Kommentare, Dazwischenreden
  • Impulskäufe
  • Übermäßiger Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln.

Hyperaktivität

  • Innere Unruhe, Nervosität
  • Probleme beim Anstellen oder Warten
  • Probleme, Ruhe oder Nichtstun auszuhalten, immer auf der Suche nach Beschäftigung.

In den nächsten Tagen, wenn

  • aufgrund oben genannter Beschwerden die Lebensqualität leidet und Probleme in der Partnerschaft entstehen
  • Lern- oder Verhaltensprobleme zu eingeschränkter Leistung im Beruf führen
  • die innere Unruhe nicht mehr auszuhalten ist
  • Depressionen oder Suchterscheinungen auftreten.

2,5 % der Erwachsenen leiden an ADHS. Weil die Beschwerden sehr variabel und weniger auffällig sind als im Kindesalter, gehen die Expert*innen von weiteren unerkannten Fällen und einer hohen Dunkelziffer aus. Zumeist haben ADHS-Patient*innen ihre Diagnose aus der Kindheit mitgenommen. Bis zu 80 % der im Kindesalter Betroffenen sollen als Erwachsene zumindest noch einzelne ADHS-Symptome aufweisen. Ein Drittel der ADHS-Kinder zeigt später sogar das Vollbild der Störung, allerdings oft mit einem etwas verschobenen Beschwerdespektrum. Einige erwachsene ADHS-Patient*innen erhalten ihre Diagnose jedoch auch erst im Erwachsenenalter. Das liegt zum Beispiel daran, dass ihre Beschwerden milder ausgeprägt waren und deshalb eine Diagnose in der Kindheit versäumt wurde.

Krankheitsentstehung

Heute geht man davon aus, dass ADHS eine genetisch bedingte oder zumindest genetisch mitbedingte neurologische Entwicklungsstörung ist. ADHS-spezifische strukturelle Gehirnveränderungen konnten bisher jedoch trotz zahlreicher Untersuchungen nicht identifiziert werden. Zwar gibt es auf Gruppenebene bei Kindern mit und ohne ADHS durchaus Unterschiede: z. B. war in einigen Studien das Hirnvolumen von ADHS-Kindern etwas kleiner; in anderen Untersuchungen deuteten die in diversen Hirnregionen gemessenen Aktivitäten auf abweichende Verarbeitungsmechanismen hin. Auch wurden Besonderheiten im EEG gefunden. Diese Ergebnisse sind aber so breit gestreut, dass sie nicht als hinreichender Beweis für die Diagnose eines ADHS gelten. Zumal auch noch ungeklärt ist, ob mögliche Veränderungen im Gehirn Folge oder Ursache der gezeigten Beschwerden sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Warum sich ein ADHS entwickelt, ist ebenfalls noch unklar. Heute geht man davon aus, dass verschiedene Faktoren daran beteiligt sind. Dazu gehören genetische Veränderungen, Umwelteinflüsse kurz vor, während und nach der Geburt sowie Einflüsse während der frühen Kindheit (z. B. gestörte familiäre Strukturen, Vernachlässigung). Mehr zu den Ursachen siehe ADHS im Kindesalter.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Auch bei Erwachsenen mit ADHS werden die drei Hauptmerkmale Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in unterschiedlicher Ausprägung beobachtet. Häufig bessert sich die Unaufmerksamkeit, wobei die Aufmerksamkeitsspanne trotzdem geringer bleibt als bei Nicht-Betroffenen. Nicht immer, aber manchmal mildert sich auch die Impulsivität. Die bei ADHS-Kindern typische körperliche Überaktivität äußert sich bei Erwachsenen oft in innerer Unruhe, Nervosität und einem Nicht-Warten-Können.

Manche Betroffene – vor allem Frauen mit ADHS – sind neben ihrer Unaufmerksamkeit eher unterdurchschnittlich aktiv (hypoaktiv) und verträumt. Sie fallen dadurch weniger auf, leiden aber stark an ihren Konzentrationsstörungen und sind oft sensibel und schnell gekränkt. Diese auch ADS genannte Form ist eine Unterform des ADHS.

Wieder andere ADHS-Patient*innen schaffen es, ihre impulsive und emotionale Art positiv zu nutzen. Sie gehen offener an Neues heran und haben oft außergewöhnlich viele Ideen. Wenn es gelingt, diesem Ideenreichtum in einem passenden Beruf Bahn zu verschaffen, können auch Menschen mit einem ADHS im Job überaus erfolgreich sein.

Psychosoziale Folgeprobleme

Leider führen Aufmerksamkeitsstörungen und mangelnde Affektkontrolle bei Erwachsenen mit ADHS häufiger zu Folgeproblemen als zu Erfolgsgeschichten. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Betroffenen öfter einen niedrigeren Ausbildungsstand erreichen sowie ein geringeres Einkommen und einen niedrigeren sozioökonomischen Status haben als Menschen ohne ADHS. Oft ist das Risikoverhalten erhöht, weshalb erwachsene ADHS-Patienten mehr Unfälle erleiden, häufiger ein riskantes Sexualverhalten zeigen und häufiger Gesetzesübertretungen begehen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat zudem bei Frauen einen Zusammenhang zwischen ADHS und dem Risiko für Adipositas festgestellt. Außerdem steigt mit dem ADHS das Risiko für weitere Erkrankungen, insbesondere Suchterkrankungen, Depressionen, Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.

Die Diagnose ADHS im Erwachsenenalter ist schwierig und gehört deshalb in die Hände einer erfahrenen Fachärzt*in (z. B. Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie). Im gründlichen Gespräch wird beispielsweise geklärt

  • wie stark die Einschränkungen ausgeprägt sind, welche Lebensbereiche sie betreffen (Beruf, Familie)
  • ob zusätzlich Depressionen, Ängste oder andere neurologische Störungen wie Tics vorliegen
  • ob es ähnliche Beschwerden oder Hinweise auf ein ADHS schon in der Kindheit gab und/oder wie sich diese entwickelt haben
  • ob in der Familie bereits ein ADHS aufgetreten ist
  • ob der Betroffene regelmäßig Medikamente einnimmt, raucht, Alkohol trinkt oder Drogen konsumiert.

Die Diagnosekriterien für ein ADHS bei Erwachsenen sind folgende (alle 4 Punkte müssen zutreffen):

  • Auffälligkeiten haben in der Kindheit begonnen. Für Menschen, bei denen keine Diagnose gestellt wurde, gibt es spezielle Fragebögen mit denen die Ärzt*in die ADHS-Diagnose rückblickend stellen. Dies ist erforderlich, um die unten genannten Medikamente zu verordnen.
  • Mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität sind vorhanden.
  • In mehr als einem Lebensbereich bestehen Probleme (Beruf, Familie, Freundeskreis).
  • Das Sozial- oder Berufsleben ist stark beeinträchtigt.

Ergänzend zum Gespräch bedient sich die Ärzt*in meist verschiedener Tests, um Konzentrationsstörungen, Teilleistungsschwächen oder eine Intelligenzminderung besser einkreisen zu können. Eine Diagnose allein aufgrund solcher Tests und Fragebögen ist jedoch nicht möglich.

Um körperliche Ursachen auszuschließen, erfolgt nach dem ausführlichen Gespräch eine gründliche neurologische und allgemeine körperliche Untersuchung. Falls der Verdacht auf eine andere Erkrankung besteht – z. B. eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Epilepsie – wird diesem mit den erforderlichen Untersuchungen nachgegangen (Laboruntersuchungen, EEG).

Differenzialdiagnosen. Schilddrüsenüberfunktion, besondere Formen der Epilepsie, Depression, Minderbegabung und viele Formen von sonstigen Verhaltensstörungen können ein sehr ähnliches Bild aufweisen.

Basis der Behandlung ist die sogenannte Psychoedukation. Dabei wird den Betroffenen die Erkrankung erklärt und die wesentlichen Behandlungsstrategien erläutert. Therapeutisch hat sich eine Kombination aus Pharmako- und Psychotherapie sowie eine sozialpsychiatrische Begleitung bewährt:

  • In der Psychotherapie scheint besonders die verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapie erfolgversprechend zu sein. Verhaltenstherapeutisch bedeutet, dass ganz praktisch Strategien für den Alltag eingeübt werden. Dazu gehört der Umgang mit Stress, das Erlernen von Problemlösestrategien, das Erkennen von Frustrationen und der Umgang damit.
  • Pharmakotherapie. Zur medikamentösen Behandlung werden keine beruhigenden, sondern stimulierende Substanzen eingesetzt. Dadurch werden steuernde Einflüsse des Gehirns sowohl auf Bewegungen als auch auf die Aufmerksamkeit verstärkt und gebahnt. Auf Gesunde wirken diese Präparate aufputschend und stimmungsaufhellend; daher fällt der Einsatz eines Teils dieser Medikamente auch unter das Betäubungsmittelgesetz. Bei Menschen mit ADHS ist es umgekehrt: Sie werden nach der Einnahme ruhiger, weniger impulsiv und können sich besser konzentrieren. Zur Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter wird vor allem Methylphenidat (z. B. Ritalin® adult oder Medikinet® adult) eingesetzt. Es darf Patienten ab 18 Jahren verschrieben werden, die seit dem Kindesalter an ADHS erkrankt sind und auf andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen. Seit 2019 ist in Deutschland ein weiteres Stimulanz (Lisdexamfetamin, z. B. Elvanse Adult®) zur Behandlung eines seit Kindheit bestehenden ADHS bei Erwachsenen zugelassen. Beide Präparate sind nach den aktuellen Leitlinien Präparate erster Wahl. Bleibt die erwünschte Besserung aus, kann das jeweils andere versucht werden. Falls beide Wirkstoffe nicht helfen oder Stimulanzien nicht angezeigt sind, ist auch die Gabe von Atomoxetin (z. B. Strattera®) möglich.

Hinweis: Atomoxetin hat bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für Selbstmord erhöht, eine engmaschige Überwachung, besonders zu Beginn einer Behandlung damit, ist deshalb erforderlich.

ADHS begleitet die Betroffenen ein Leben lang, verändert sich jedoch oft in seiner Ausprägung. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität variieren deshalb sehr. Manche Betroffene kommen mit ihrer Störung gut zurecht, andere erleiden aufgrund ihrer erhöhten Risikobereitschaft Unfälle oder geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Bedeutend für die Prognose sind auch Begleiterkrankungen wie Depression oder die Entwicklung einer Sucht.

Was Sie selbst tun können

Informieren Sie sich gründlich über ADHS. Lassen Sie sich von Ihrer Ärzt*in Bücher empfehlen. Suchen Sie eine Selbsthilfegruppe und andere erwachsene Betroffene, mit denen Sie sich austauschen können. Je besser Sie über Ihre Erkrankung Bescheid wissen, umso besser können Sie bei Problemen gegensteuern.

Suchen Sie sich einen "Coach". Es ist gut, in der Nähe jemanden zu haben, der Sie ermutigt und Ihnen hilft. Das kann eine Therapeut*in sein oder eine gute Freund*in, die ehrliches Feedback zu Ihrem Verhalten geben können. Die Lebenspartner*in ist aufgrund der Nähe und der speziellen Beziehungssituation dafür meist weniger geeignet.

Gehen Sie offen mit Ihrem ADHS um. Informieren Sie Ihre Familie und Ihre Freunde über ADHS. Sobald diese mehr darüber wissen, fällt es ihnen leichter, Sie zu verstehen und mit Ihnen umzugehen. Das gilt auch für den Kollegenkreis: Menschen, denen Sie vertrauen, sollten Sie ebenfalls in Ihre Diagnose einweihen.

Geben Sie sich keine Schuld. Denken Sie immer daran, dass ADHS eine neurobiologische Störung ist und nicht durch Unreife, Willenlosigkeit oder Charakterschwäche verursacht wird.

Setzen Sie sich Termine, organisieren Sie Ihre Arbeit. Es gibt viele kleine Hilfsmittel, die Ihnen helfen, Struktur in ihr inneres Chaos zu bringen. Arbeiten Sie bei der Planung von Vorhaben mit Listen, Merkzetteln, Notizen und Karteien. Inzwischen werden auch viele Kurse angeboten, in denen das Strukturieren der Arbeit erlernt werden kann.

Haben Sie immer Stift und Notizblock dabei. So können Sie Ihre Gedankenblitze gleich notieren, statt sie zu einer Gedankenflut im Kopf anwachsen zu lassen.

Auszeiten nehmen. Wenn etwas Sie stark ärgert, gehen Sie aus der Situation, beruhigen Sie sich. Auf diese Weise lernen Sie, Ihre (negative) Impulsivität zu zügeln.

Komplementärmedizin

Leider fehlt bisher ein gesicherter Nachweis, dass Heilpflanzen bei ADHS helfen. Dennoch spricht nichts dagegen, alternative Behandlungsansätze gegen einige Begleitsymptome auszuprobieren, etwa gegen Schlafstörungen und Unruhe.

  • Baldrian. Für den Tee 1/4 l kaltes Wasser auf 1 Teelöffel getrocknete Baldrianwurzel geben, über Nacht stehen lassen und anschließend abseihen. Vor dem Schlafengehen eine 1 Tasse davon trinken. Zur längeren Anwendung eignet sich eine Baldrian-Tinktur aus der Apotheke.
  • Johanniskraut. Zur allgemeinen Nervenstörung und gegen innere Unstimmigkeit bietet sich ein Tee an. Nehmen Sie dazu 2 Teile Johanniskraut, 2 Teile Zitronenmelisse, 2 Teile Lavendelblüten und übergießen diese Mischung mit ½ l kochendem Wasser. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und über den Tag verteilt einmal eine Tasse zum Trinken geben.
  • Melisse- und Johanniskrauttee. Gegen schlechten Schlaf hilft ein Tee aus Melisse und Johanniskraut. Nehmen Sie dazu jeweils 1 Teelöffel, übergießen die Mischung mit ¼ l kochendem Wasser und lassen alles ziehen. Anschließend abseihen und tagsüber trinken.
  • Hopfentee. Übergießen Sie für einen Tee 2 Teelöffel Hopfen mit ½ l kochendem Wasser. Anschließend 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. Den Tee evtl. mit Honig versüßen und 1 Stunde vor dem Schlafengehen warm trinken.
  •  ADHS-Deutschland – Home (adhs-deutschland.de) . Webseite des ADHS Deutschland e. V. mit einer Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen, Informationen zur Erkrankung und Buchempfehlungen.

Autor*innen

Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski | zuletzt geändert am um 09:50 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.