Andere Wirkstoffe dieser Gruppe
Das Abbauen von Medikamenten ist eine der wichtigsten Aufgaben der Leber. Doch einige Arzneimittel können das Organ schädigen. Bei welchen Präparaten Patienten besonders vorsichtig sein sollten.
Die Leber ist ein weiches, braunrotes Organ und befindet sich im rechten Oberbauch. Zu ihren zentralen Aufgaben gehört die Verstoffwechslung von Nähr- und Schadstoffen des menschlichen Körpers: Beinahe alle Nährstoffe, die aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden, gelangen zuerst zur Leber und werden dort je nach Bedarf umgewandelt, gespeichert, abgebaut oder sofort verwertet. So produziert die Leber beispielsweise die Gallenflüssigkeit und beinahe alle Gerinnungsfaktoren.
Darüber hinaus ist die Leber das wichtigste Organ für die Entgiftung des Bluts: Sie verstoffwechselt die im Stoffwechsel entstandenen giftigen Substanzen und hilft bei deren Ausscheidung. Wasserlösliche Schadstoffe werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden, wasserunlösliche über die Gallenflüssigkeit und dem Darm. So baut die Leber beispielsweise Alkohol über mehrere Stufen in Essigsäure um. Auch Medikamente werden von den Leberzellen verstoffechselt und für die Ausscheidung vorbereitet.
Die Leber wächst mit ihren Aufgaben?
Nur bis zu einem bestimmten Grad. Einige Medikamente haben eine hepatotoxische Nebenwirkung, das heißt, sie enthalten Stoffe oder werden in kleinere Teile zerlegt, die die Leber schädigen. Bis zu einer bestimmten Menge ist die Leber selbst in der Lage, die Abbauprodukte von Medikamenten zu entgiften. Zu hohe Dosen kann die Leber jedoch nicht bewältigen, sodass die Substanzen oder deren giftige Abbauprodukte das Organ schädigen.
Mögliche Leberschädigungen variieren je nach Arzneimittel
Experten schätzen, dass ungefähr bei zehn Prozent aller unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen die Leber involviert ist. Eine leberschädigende Wirkung, die sich erst bei der Anwendung bei vielen Patienten zeigt, ist einer der häufigsten Gründe, Medikamente vom Markt zurückzunehmen. Wie hoch jedoch bei Arzneimitteln die Wahrscheinlichkeit für eine leberschädigende Nebenwirkung ist und wie stark diese den Patienten beeinträchtigen, variiert von Arzneimittel zu Arzneimittel. Fremdsubstanzen können die Leberzellen selbst oder die Gallenwege angreifen. Beide Formen können auch gleichzeitig auftreten.
Dunkler Urin und heller Stuhl sind Warnzeichen
Eine Leberschädigung ist äußerlich nur schwer zu erkennen. Lebererkrankungen beginnen meist mit unspezifischen Anzeichen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Oft klagen Patienten über Schmerzen im Oberbauch. Dunkler Urin, heller Stuhl sowie eine Gelbfärbung der Haut, insbesondere der Lederhaut im Auge („Gelbsucht“), deuten jedoch konkret auf eine Leberschädigung hin. Treten diese Warnzeichen auf, sollten Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen.
Arzneimittel, bei denen leberschädigende Nebenwirkungen bekannt sind
Regelmäßige Kontrollen der Leberwerte helfen, Leberschädigungen rechtzeitig zu erkennen. Vor allem bei bestimmten Arzneimitteln sind derartige Probleme bekannt. Die Apothekerin Iris Hinneburg empfiehlt in der „PTA-heute“ insbesondere Patienten, die folgende Medikamente einnehmen, ihre Leberwerte vor und während der Medikamententherapie kontrollieren zu lassen:
- Mesalazin und Sulfasalazin: wirken entzündungshemmend und werden vor allem zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verschrieben
- Immunsuppressiva werden unter anderem bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Das sind Erkrankungen, bei denn das Immunsystem gestört ist und sich gegen den eigenen Körper richtet, beispielsweise bei der Rheumatoiden Arthritis, Gefäßentzündungen oder Multiple Sklerose. Auch chronisch-entzündliche Erkrankungen werden mit diesen Medikamenten behandelt, unter anderen mit den Wirkstoffen Methotrexat (Methotrexat-Teva®), Azathioprin und Leflunomid
- Antiarrhythmika sind Arzneimittel zur Behandlung von Herzrythmusstörungen, zu denen beispielsweise die Wirkstoffe Amiodaron und Dronedaron gehören
- einige Antikoagulanzien wie die Wirkstoffe Dabigatran und Phenprocoumon hemmen die Blutgerinnung. Liegt bei Patienten bereits eine Leberschädigung vor, ist die Produktion der meisten Gerinnungsfaktoren beeinträchtigt. Gerinnungshemmende Medikamente verringern die Anzahl an Gerinnungsfaktoren im Blut zusätzlich, sodass beispielsweise im Falle einer offenen Wunde die Wundheilung stark beeinträchtigt ist
Neben rezeptpflichtigen Arzneimitteln können auch rezeptfreie Mittel Schädigungen an der Leber verursachen. Dies ist beispielsweise bei Paracetamol der Fall: Einige Kombinationspräparate gegen Grippe enthalten geringe Dosen des Analgetikums. Ist dies Patienten nicht bekannt und nehmen sie noch zusätzlich Paracetamol als Monopräparat ein, steigt die Gefahr einer Überdosierung.
Wechselwirkungen von leberschädigenden Medikamenten
Das Risiko für eine Leberschädigungen durch Medikamente kann auch durch Wechselwirkungen steigen. Wenn Patienten mehrere Präparate einnehmen, die sich negativ auf die Leber auswirken, steigt ebenfalls das Risiko für eine Leberschädigung. Es ist deshalb wichtig, dass der behandelnde Arzt über alle eingenommenen Medikamente informiert ist und gegebenenfalls einen Wechselwirkungsscheck durchführt. Auch Alkohol erhöht das Risiko für leberschädigende Nebenwirkungen. Insbesondere Patienten, die oben genannte Medikamte einnehmen oder an einer Leberschädigung leiden, sollten möglichst ganz auf Alkohol verzichten.
Patienten mit erhöhtem Risiko
Patienten im höheren Alter, mit mehreren chronischen Erkrankungen oder mit einer Vielzahl an Medikamenten sollten besonders auf ihre Leberwerte achten. Bereits bestehende Lebererkrankungen können bei einigen Medikamenten das Risiko der Schädigungen. Im Zweifelsfall bringt ein vertrauliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder dem Apotheker Klarheit.
Leichte Leberschädigungen lassen sich oft beheben
Befinden sich die Leberwerte oberhalb bestimmter Grenzen, wird der Arzt das Medikament in der Regel absetzen. Leichte Schädigungen der Leber lassen sich dann oft beheben. Bei schweren Schädigungen gibt es jedoch oft nur wenige Therapieoptionen, da die Leber nicht mehr in der Lage ist, die Medikamente vollständig abzubauen. In solchen Fällen behandelt der Arzt meist symptomatisch. Ist die Leber stark und irreversibel geschädigt, bleibt notfalls nur die Lebertransplantation.
Keine Acetylsalicylsäure bei Kindern unter 12 Jahren!
Wird das beliebte Analgetikum Acetylsalicylsäure (wie in Aspirin®) Kindern unter zwölf Jahren verabreicht – etwa zur Behandlung von viralen Infekten – besteht die Gefahr, dass das Kind am Reye-Syndrom erkrankt. Bei dieser Krankheit sind solwohl das Gehirn als auch die Leber geschädigt. Lang anhaltendes Erbrechen etwa eine Woche nach Abklingen des Infekts ist ein mögliches Anzeichen dieser seltenen und lebensbedrohlichen Erkrankung. Beobachten Eltern dieses Symptom bei ihrem Kind, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Aus Sicherheitsgründen darf Acetylsalicylsäure deshalb nicht bei Kindern unter zwölf Jahren angewendet werden.
Quelle: Dr. Iris Hinneburg: Reihe Nebenwirkungen. Teil 17: Nebenwirkungen an der Leber. In: PTA-heute, Ausgabe 8 April 2015.