Andere Wirkstoffe dieser Gruppe
Einige Zytostatika haben unerwünschte Nebenwirkungen auf das Blutbild von Krebspatienten. Dies kann ihre Immunabwehr schwächen und das Risiko für Infektionen erhöhen. Welche Blutzellen betroffen sind und welche Anzeichen sich bei Patienten bemerkbar machen.
Zytostatika sind natürliche oder künstlich hergestellte Substanzen, die in die Entwicklung von Zellen eingreifen und somit das Teilen und Wachsen von Zellen verhindern. Sie werden daher zur Behandlung von Krebs im Rahmen der Chemotherapie eingesetzt. Zytostatika wirken jedoch nicht spezifisch nur auf bösartige Zellen, sondern schädigen auch gesunde. Viele Zytostatika greifen die Knochen an – der Ort, wo die Blutkörperchen gebildet werden. Die Anzahl und Beschaffenheit der Blutzellen wird so durch Zytostatika beeinträchtigt. Die Wirkstoffe Daunorobicin (Daunoblastin®) oder Vincristin (Vincristin Liquid L®) beispielsweise beeinträchtigen die Bildung aller Arten von Blutkörperchen in den Knochen. Die Blutbild-verändernde Wirkung von Zytostatika tritt meist mit einer zeitlichen Verzögerung von ein bis zwei Wochen nach Beginn der Chemotherapie ein, bisweilen erst nach vier bis fünf Wochen.
Auswirkung von Zytostatika auf rote Blutkörperchen
Der Arzneistoff Cisplatin (wie in Cis-GRY®) wird bei der Chemotherapie von verschiedenen Krebsformen eingesetzt. Eine unerwünschte Nebenwirkung besteht darin, dass der Wirkstoff die Nierentubuli schädigt. Nierentubuli gehören zu den kleinsten Gewebestrukturen in der Niere, wo das Hormon Erythropoetin gebildet wird. Dieses steuert die Synthese von roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese Blutzellen enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin, der Sauerstoff bindet und somit den Körper mit Sauerstoff versorgt. Ist die Produktion der roten Blutkörperchen gehemmt, kann dies zur Blutarmut (Anämie) führen. Anzeichen sind Müdigkeit, Schwindel und eine Blässe der Haut oder Schleimhaut. Auch die Leistungsfähigkeit der Patienten kann stark beeinträchtigt sein. Wie stark die Anämie ausgeprägt ist, hängt von der persönlichen Konstitution und der Schnelligkeit ab, mit der sich die Anämie entwickelt. Bei hoher Leistungsminderung wird der Arzt eine Bluttransfusion oder die Gabe von Wachstumsfaktoren erwägen. Letztere fördern die Bildung der Erythrozyten. Meist bildet sich die Anämie nach Absetzen des Medikaments von alleine wieder zurück.
Auswirkung von Zytostatika auf weiße Blutkörperchen
Die neutrophilen Granulozyten sind eine bestimmte Gruppe von weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die Infektionserreger wie Bakterien und Pilze abwehren. Ein großer Teil von ihnen befindet sich im Knochenmark, ein kleinerer Teil zirkuliert im Blut. Einige Zytostatika können die Anzahl von neutrophilen Granulozyten im Blut verringern, etwa der Wirkstoff Ifosfamid (Holoxan®). Je nach Ausprägung des Mangels an neutrophilen Granulozyten wird zwischen einer Neutropenie (Zellzahl unter 1.500 pro Mikroliter) und einer Agranulozytose (500 pro Mikroliter) unterschieden. Je höher der Mangel dieser weißen Blutkörperchen, desto geschwächter ist das Immunsystem. Das Risiko für Infektionen nimmt damit proportional zu. Wie stark der Mangel ist, hängt unter anderem vom Zytostatikum und dessen Dosis ab. Krebspatienten mit einem geringen Mangel können Infektionen vorbeugen, indem sie sich von sichtbar infizierten Personen fernhalten und auf Infektionsanzeichen bei anderen Personen achten. Als Warnzeichen gilt vor allem Fieber, da sich dann lebensbedrohliche Infektionen entwickeln können. In Abhängigkeit des persönlichen Risikos und des Schweregrades kann der Arzt die Zytostatika für die folgenden Therapiezyklen reduzieren. Eventuell erhalten Betroffene zusätzlich eine antibakterielle Therapie sowie Wachstumsfaktoren, die die Synthese der weißen Blutkörperchen anregen.
Auswirkung von Zytostatika auf die Blutplättchen
Die Nebenwirkungen einiger Zytostatika wie Methotrexat können auch die Blutplättchen (Thrombozyten) betreffen. Thrombozyten sind verantwortlich für die Blutgerinnung. Besteht ein Mangel an Thrombozyten im Blut (Thrombozytopenie), kann dies die Neigung zu Blutungen erhöhen. Ein mäßiger Mangel an Thrombozyten (unter 50.000 pro Mikroliter) macht sich bei Betroffenen durch blaue Flecken (Hämatome), Nasen- oder Zahnfleischbluten oder Petechien bemerkbar. Letzteres sind stecknadelgroße punktförmige Blutungen in der Haut. Die Behandlung eines Thrombozytenmangels richtet sich in der Regel nach der Ursache. Ist das Defizit auf das Zytostatikum zurückzuführen, entscheidet der Arzt im Einzelfall, inwiefern er die Behandlung mit dem Zytostatikum anpasst. Bei einer sehr niedrigen Anzahl an Thrombozyten (unter 10.000 pro Mikroliter) werden oft Thrombozyten-Konzentrate verabreicht.
Quellen:
Dr. Iris Hinneburg: Nebenwirkungen teil 21: Nebenwirkungen am Blut. in: PTA-heute, Heft 12, Juni 2015, S. 72-75.