Andere Wirkstoffe dieser Gruppe
Was ist wirklich in meinem Essen drin? Gerade die gentechnischen Entwicklungen der letzten Jahre verunsichern viele Verbraucher. Bernhard Epping klärt auf mit seinem Sachbuch „Geheime Rezepte“.
Ein genmanipulierter Stier namens Herman
Herman – so lautet der Name eines Stiers, der es in den 90er Jahren von seiner holländischen Heimat bis ins Wall Street Journal schaffte. Der Grund: Herman trug neben seinen knapp 100.000 Stiergenen noch ein weiteres Gen in sich – und zwar ein menschliches zur Produktion von Lactoferrin, einem Eiweiß. Dieses gab der Bulle über die Jahre an dutzende Töchter weiter, die das Protein über ihre Milch für Menschen nutzbar machen. So kann Lactoferrin unter anderem Patienten mit geschwächtem Immunsystem helfen oder Frühgeborenen als besser verträglicher Muttermilch-Ersatz dienen. Zwar steckt das eisenbindende Eiweiß auch in gewöhnlicher Kuhmilch, doch die menschliche Genvariante ist für uns deutlich besser nutzbar. Verbraucherschützer schlugen dennoch Alarm: Wie wird sich die Genvariante auf Tier, Mensch und Umwelt auswirken? Es fehlten Langzeitstudien. Nach Protesten mussten die Genexperimente der Konzerne vorerst auf Eis gelegt werden.
Gentechnik hat in Deutschland keinen guten Ruf
Mit dieser Anekdote beginnt Bernhard Eppings Sachbuch mit dem Titel „Geheime Rezepte – Wie die Gentechnik unser Essen verändert“. Sie zeigt beispielhaft den möglichen Nutzen von Gentechnik, aber auch die offenen Fragen und entsprechende Sorgen der Verbraucher. Hierzulande ist der Ruf der Gentechnik nach wie vor ein schlechter. In anderen Ländern, allen voran die USA, sind entsprechende Experimente hingegen schon länger Gang und Gebe. Doch liegt hier wirklich eine Chance, den Nahrungsmittelkonsum zu revolutionieren und in Entwicklungsländern sogar Hungerkrisen zu bekämpfen? Oder profitieren letztlich doch nur die großen Konzerne auf Kosten unserer Gesundheit?
„Das Abenteuer Essen hat begonnen“
Bernhard Epping wägt in „Geheime Rezepte“ kritisch die Vor- und Nachteile der Gentechnik ab. Es geht um umstrittene Kennzeichnungen, risikoreiche Resistenzen und ethische Bedenken – vor allem aber um die Zukunft unseres Essens. Dementsprechend ist der letzte Satz in Eppings aufdeckendem Werk zugleich ein Anfang: „Das Abenteuer Essen hat begonnen.“ Mahlzeit!
Bernhard Epping
Geheime Rezepte - Wie die Gentechnik unser Essen verändert
220 Seiten
Gebunden
21,50 Euro
S. Hirzel Verlag